Susa Bobke – Männer sind anders. Autos auch.
Die Auto-Biografie – eine der wenigen Frauen der ADAC-Pannenhilfe gibt einen unterhaltsamen Einblick in ihren Berufsalltag!
Susa Bobke arbeitet als eine der wenigen Frauen der ADAC-Pannenhilfe in einer Männerdomäne. Und ihr Beruf ist ihre Leidenschaft: Sie rettet Kinder aus verschlossenen Wagen, macht Autos wieder flott, wechselt Keilriemen und Reifen und kümmert sich vor allem um die Menschen, die sich plötzlich in einer Extremsituation befinden. Häufig wird Susa Bobke bei ihren Einsätzen jedoch mit dem Satz „Wo ist Ihr Kollege?“ begrüßt. Denn viele trauen einem weiblichen Gelben Engel erst einmal nichts zu …
„Ach Gott. Sie sind eine Frau. Um Himmels willen! Ich brauche jemanden, der sich mit Motoren auskennt.“
Eben noch habe ich mich auf den Jaguar gefreut. Jetzt habe ich gar keine Lust mehr, mich mit ihm zu beschäftigen.
„Entschuldigen Sie“, fasst Herr Buchs sich, „ich meine das nicht so. Aber mein Jaguar ist hier in der Auffahrt ausgegangen, und es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Motorschaden. Mit meinem Mechaniker habe ich schon telefoniert, und mir wurde ein Abschleppwagen versprochen.“
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wiederhole ich in Gedanken und füge hinzu: a) Er ist Jurist, und b) Wer diese Formulierung benutzt, meint mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Gegenteil.
„Wenn ich schon mal da bin – soll ich nachschauen, was Ihrem Wagen fehlt?“, frage ich, um einen gelassenen Ton bemüht.
„Ja. Natürlich.“ Herr Buchs macht eine Pause. „Aber was wollen Sie als Frau da schon ausrichten?“, fragt er wohl mehr sich als mich, setzt sich in den Wagen und startet mit einem Gesichtsausdruck, als würde er mir nur aus Liebenswürdigkeit die Gelegenheit geben wollen, den Jaguarsound zu goutieren.
Ich höre ein kurzes, zaghaftes Anspringen des Motors, das sogleich in ein müdes, jammerndes und für Jaguar typisches Anlasserdrehen übergeht.
„Entschuldigen Sie, ich meinte das nicht böse“, versucht Herr Buchs erneut, seine Spuren zu verwischen.
„Darf ich mal schauen?“, versuche ich ihn vom Fahrersitz zu drängen und sammle dann Indizien: das Geräusch, die schräge Auffahrt, der aufgeblasene Kerl – und der Zeiger der Tankuhr steht am oberen Rand des roten Feldes. „Mit Verlaub: Der Tank ist leer“, verkünde ich.
„Ach Quatsch, das kann nicht sein!“, widerspricht Herr Buchs mit Genugtuung. Er wusste es doch gleich. Eine Frau!
„Der Tank ist leer“, wiederhole ich den bösen T-Satz.
Herr Buchs schüttelt fast ein wenig amüsiert den Kopf. Er schüttelt ihn jedoch zu lang. Ich bemerke eine klitzekleine Unsicherheit und setze an zu meinem Plädoyer.
„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist zu wenig Kraftstoff im Tank. Das liegt selbstverständlich nicht an Ihnen. Die Konstruktion dieses Tanks ist sträflich ungünstig ausgelegt für den aktuellen Kraftstoffpegel und den Neigungswinkel Ihrer an sich durchaus ansprechend gestalteten Hofauffahrt. Hier handelt es sich somit um die typische Symptomatik eines Betriebsmittelaufnahmeverzugs. Die Koinzidenz mehrerer ungünstiger Faktoren führte vermutlich zu einem Lufteinschluss im Druckbereich der Einspritzanlage. Mit ein paar Litern ROZ 98 ließe sich dieses Problem beheben“, ich räuspere mich, „mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit.“
Viele weitere amüsante und anrührende Erlebnisse des weiblichen Gelben Engels Susa Bobke können Sie in ihrer Auto-Biografie „Männer sind anders. Autos auch.“ nachlesen, die in unserer Reihe „Im Spiegel der Zeit“ erschienen ist.
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